Getauscht und gehandelt wird bereits seit der Jungsteinzeit. Wann genau der Naturaltausch durch frühe Zahlungsmittel wie seltene Muscheln oder unbehandeltes Edelmetall abgelöst wurde, kann die Geschichtsforschung nur vermuten. Münzgeld fand in Europa etwa ab dem 7. Jahrhundert vor Christus Verbreitung und war in der Antike bereits das übliche Zahlungsmittel. Papiergeld ist dagegen eine relativ neue Erscheinung, zumindest im Okzident. In China wurde Papiergeld dagegen schon während der Song Dynastie im 11. Jahrhundert eingeführt.

Mittlerweile neigt sich aber auch die Ära des Papiergeldes langsam den Ende zu, seit elektronische Zahlsysteme und in jüngster Zeit auch Kryptowährungen immer verbreiteter werden. Physisch hat Geld sich während der Jahrhunderte stark gewandelt, die Faszination, die Geld und die damit verbundene Macht ausstrahlt, ist aber seit jeher die gleiche geblieben. Pecunia non olet („Geld stinkt nicht“) wusste schon der römische Kaiser Vespasian. Darüber hinaus soll Geld die Nerven beruhigen, auch wenn es angeblich den Charakter verdirbt. Im Darknet kann man für Geld Gerüchten zufolge alles und jeden kaufen, russische Auftragskiller eingeschlossen. In Berlin sind für genügend bunte Scheine angeblich Politiker jedweder Couleur erhältlich, vom Hinterbänkler bis zum Bundesminister. Nur die Kanzlerin scheint gegenüber pekuniären Verlockungen immun zu sein.

Aber was ist wirklich dran, am Mythos von der Macht des Geldes?

Geld korrumpiert die Politik

Sind Politiker wirklich alle korrupt? Transparency International ermittelt alljährlich sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex für 180 Länder. Dieser Index gilt als die wichtigste Kennzahl zur Messung von Korruption im öffentlichen Sektor. Er wird seit 1955 ermittelt. Deutschland schneidet dabei regelmäßig recht gut ab. 2017 erreichte die Bundesrepublik 81 von 100 Punkten und rangierte damit weltweit auf Platz 12. Am ehrlichsten scheinen die Politiker und Bürokraten in Neuseeland zu sein, das es mit 89 Punkten auf Platz eins schaffte, vor Dänemark mit 88 und Finnland mit 85 Punkten. Deutschland steht mit seinem Ergebnis deutlich besser da, als die anderen großen Wirtschaftsmächte. Die USA rangieren auf Platz 16, Japan auf Platz 20 und China weit abgeschlagen auf Platz 77. So schlimm kann es um die deutsche Politik also gar nicht bestellt sein, oder? Die Antwort ist ein klares Jein.

Dass Politiker oder hohe Verwaltungsmitarbeiter im Rechtssinne bestochen werden, um unmittelbar auf eine öffentliche Entscheidung einzuwirken, dürfte in der Tat die Ausnahme darstellen. Die These, dass Politiker alle Korrupt sind, ist wohl eher auf ein anderes Phänomen zurückzuführen – den, nicht nur in Deutschland, weit verbreiteten Lobbyismus.

Vereine, Interessenverbände und nicht zuletzt die Kirchen, versuchen das politische Geschehen und die politische Entscheidungsfindung zu beeinflussen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Politiker sollen schließlich den Willen des Volkes umsetzen und der muss in einer Stellvertreter-Demokratie ja erst einmal ermittelt werden. Bedenklich ist dabei nur, dass die Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Gruppen alles andere als ausgeglichen sind. Viele Wirtschaftsverbände, allen voran die der Automobil- und der Energieindustrie sind finanziell bestens ausgestattet und personell hervorragend vernetzt. In den Aufsichtsräten dieser Unternehmen sitzen regelmäßig (ehemalige) Spitzenpolitiker, die über einen direkten Draht nach Berlin und Brüssel verfügen. Dem haben die finanziell vergleichsweise dürftig ausgestatteten Verbraucherverbände oft nicht viel entgegenzusetzen.

Politik im Interesse der Wirtschaft

So kommt es immer wieder zu politischen Entscheidungen, die aus Wählersicht nicht nachvollziehbar sind. Ein Beispiel dafür ist etwa das beinahe gescheiterte Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, obwohl sich eine überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dafür ausgesprochen hat. Auch wenn Politikerinnen und Politiker in Deutschland in aller Regel nicht einfach gekauft werden können, so werden Sie doch massiv beeinflusst und hier haben die Wirtschaftsteilnehmer, die über mehr Geld und infolge über mehr und bessere Ressourcen verfügen, auch die besseren Karten.

Allerdings sind die Verbraucher hier selbst nicht ganz unschuldig. Schließlich gibt es etwa 80 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland. Würde sich jeder engagieren und einen kleinen Obolus entrichten für die gute Sache entrichten, sehe das Kräfteverhältnis sehr schnell ganz anders aus.

Geld verdirbt den Charakter

Im Märchen sind die Armen immer schön und gut, die Reichen dagegen herzlos und grausam. Sind das nur Vorurteile oder hat die These, dass Geld den Charakter verdirbt, vielleicht tatsächlich einen wahren Kern?? Seit einiger Zeit gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema und erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Geld uns tatsächlich auch auf moralischer Ebene nicht unbeeinflusst lässt.

Wissenschaftler der US-amerikanischen Universitäten Harvard und Pennsylvania haben in Experimenten gezeigt, dass Menschen, die an Geld denken, eher bereit sind zu betrügen, als andere. Geld beeinflusst aber nicht nur Erwachsene. Auch Kinder sind gegen den Einfluss des Geldes nicht immun. Die an der Universität von Wrocław tätige polnische Forscherin Agata Gasiorowska konnte zum Beispiel zeigen, dass Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren alleine durch den Umgang mit Geld Verhaltensänderungen zeigen.

Dabei ist der Effekt des Geldes nicht nur negativ. Die Kinder, die an dem Experiment teilnahmen, wurden hartnäckiger und zielstrebiger, was durchaus positiv zu werten ist. Allerdings zeigten sich auch negative Tendenzen. So wurden die Kinder auch gieriger, ich-bezogener und weniger hilfsbereit. Noch steckt die Forschung zu den psychologischen Effekten des Geldes in den Kinderschuhen. Solche Ergebnisse dürfen deshalb keinesfalls überbewertet werden. Sie stützen aber die These, dass Geld uns auch charakterlich verändert. Geld hat also nicht nur eine politische Dimension, sondern kann unser Wertesystem und unsere Interaktion mit anderen scheinbar auch unmittelbar beeinflussen. Das ist kein Grund Geld zu verteufeln, seine Wirkung auf das gesellschaftliche Miteinander darf aber durchaus kritisch hinterfragt werden.